Der Bahnhof des Jahres 2026 ist Ansbach. Alle Gewinner seit 2004 in der Tabelle sowie Hintergründe zur Wahl, Jury und den besten Bahnhöfen Deutschlands.
Der Bahnhof Ansbach in Bayern ist Bahnhof des Jahres 2026. Die Allianz pro Schiene hat den modernisierten Bahnhof in Mittelfranken am 15. Oktober 2026 zum kundenfreundlichsten Bahnhof Deutschlands gekürt. Besonders überzeugt haben die Jury die freundliche Atmosphäre, das moderne Gestaltungskonzept, die gute Anbindung an verschiedene Verkehrsmittel und die umfangreichen Serviceangebote für Reisende. Damit geht die bundesweite Auszeichnung bereits zum achten Mal nach Bayern.
Bahnhof des Jahres 2026: Der Bahnhof Ansbach gewinnt die Auszeichnung
Der Bahnhof Ansbach wurde in den vergangenen Jahren umfassend modernisiert. Das äußerlich schlichte Empfangsgebäude überrascht im Inneren mit einer hellen Wartehalle, geschwungenen Holzbänken, stilvollen Leuchten und einem frischen Farbkonzept in Türkis. Auch die Bahnsteige und Unterführungen wurden saniert und barrierefrei gestaltet. Die Jury würdigte insbesondere, dass bei der Umgestaltung nicht allein funktionale Anforderungen, sondern auch der Komfort und die Aufenthaltsqualität der Fahrgäste berücksichtigt wurden.
Positiv bewertet wurden außerdem die kurzen Wege zum Busbahnhof, überdachte Fahrradstellplätze, abschließbare Fahrradboxen sowie die gute Erreichbarkeit mit Auto und Taxi. Gepäckschließfächer, gastronomische Angebote, eine öffentliche Toilette und begrünte Aufenthaltsbereiche ergänzen die Ausstattung. Der Bahnhof zeigt damit, wie sich ein wichtiger regionaler Verkehrsknoten in einen modernen und einladenden Mobilitätsstandort verwandeln lässt.
Trotz der Auszeichnung sieht die Jury noch Verbesserungspotenzial. So könnte die Unterführung zum Südausgang freundlicher gestaltet werden. Außerdem fehlen eine Echtzeitanzeige für abfahrende Busse innerhalb des Bahnhofs und ein flächendeckendes WLAN-Angebot.
Für die Modernisierung des Bahnhofs Ansbach investierte der Freistaat Bayern mehr als 20 Millionen Euro in den barrierefreien Ausbau. Die Auszeichnung unterstreicht, dass auch mittelgroße Bahnhöfe mit durchdachter Gestaltung und guter Verkehrsanbindung bundesweit Maßstäbe setzen können.
Was ist der Bahnhof des Jahres?
Der Bahnhof des Jahres ist eine der bekanntesten Auszeichnungen für besonders kundenfreundliche Bahnhöfe in Deutschland. Seit 2004 vergibt das gemeinnützige Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene den Titel jährlich an Bahnhöfe, die bei Service, Sauberkeit, Ausstattung, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität überzeugen.
Anders als bei einem reinen Architekturpreis geht es nicht darum, welcher Bahnhof das schönste Empfangsgebäude besitzt oder die meisten Reisenden abfertigt. Entscheidend ist vielmehr, wie gut ein Bahnhof aus Sicht seiner Nutzer funktioniert. Dazu gehören verständliche Informationen, kurze Wege, eine gute Anbindung an Busse und andere Verkehrsmittel sowie ein gepflegtes und sicheres Umfeld.
Damit können sich sowohl große Hauptbahnhöfe als auch kleine Regionalbahnhöfe für die Auszeichnung qualifizieren. Historische Gebäude mit besonderem Charme haben ebenso Chancen wie modernisierte Verkehrsstationen mit innovativer Ausstattung.
In den ersten Jahren des Wettbewerbs wurden die Gewinner getrennt nach Großstadt- und Kleinstadtbahnhöfen ermittelt. Später kamen touristische Sonderpreise hinzu. Inzwischen werden je nach Wettbewerbsjahr ein oder mehrere Bahnhöfe ausgezeichnet, teilweise ergänzt um Sonderpreise für herausragende Einzelprojekte.
Alle Bahnhöfe des Jahres von 2004 bis 2026
Die folgende Tabelle zeigt sämtliche 45 regulären und zusätzlichen stationsbezogenen Auszeichnungen seit der Einführung des Wettbewerbs im Jahr 2004. Dazu zählen auch die Tourismusbahnhöfe und Sonderpreisträger. Die Übersicht beginnt mit dem aktuellen Gewinner Ansbach und reicht bis zu den ersten Siegern Hannover Hauptbahnhof und Lübben im Spreewald.
| Jahr | Kategorie | Bahnhof | Bundesland |
|---|---|---|---|
| 2026 | Bahnhof des Jahres | Ansbach | Bayern |
| 2025 | Bahnhof des Jahres | Magdeburg Hbf | Sachsen-Anhalt |
| 2024 | Bahnhof des Jahres | Bautzen | Sachsen |
| 2024 | Sonderpreis | Sörup | Schleswig-Holstein |
| 2023 | Bahnhof des Jahres | Halle (Saale) Hbf | Sachsen-Anhalt |
| 2023 | Bahnhof des Jahres | Nordhorn | Niedersachsen |
| 2022 | Bahnhof des Jahres | Coburg | Bayern |
| 2021 | Bahnhof des Jahres | Cottbus Hbf | Brandenburg |
| 2021 | Sonderpreis | Ostseebad Kühlungsborn West | Mecklenburg-Vorpommern |
| 2020 | Bahnhof des Jahres | Altötting | Bayern |
| 2020 | Sonderpreis | Rottenbach | Thüringen |
| 2019 | Bahnhof des Jahres | Bad Bentheim | Niedersachsen |
| 2019 | Sonderpreis | Cuxhaven | Niedersachsen |
| 2018 | Bahnhof des Jahres | Eppstein | Hessen |
| 2018 | Bahnhof des Jahres | Winterberg (Westf) | Nordrhein-Westfalen |
| 2017 | Bahnhof des Jahres | Lutherstadt Wittenberg Hbf | Sachsen-Anhalt |
| 2017 | Tourismusbahnhof | Bayerisch Eisenstein | Bayern |
| 2016 | Bahnhof des Jahres | Stralsund Hbf | Mecklenburg-Vorpommern |
| 2016 | Kleinstadtbahnhof | Steinheim (Westf) | Nordrhein-Westfalen |
| 2015 | Bahnhof des Jahres | Marburg (Lahn) | Hessen |
| 2015 | Tourismusbahnhof des Jahres | Obstfelderschmiede/Lichtenhain (Oberweißbacher Bergbahn) | Thüringen |
| 2014 | Großstadtbahnhof | Dresden Hbf | Sachsen |
| 2014 | Kleinstadtbahnhof | Hünfeld | Hessen |
| 2013 | Großstadtbahnhof | Göttingen | Niedersachsen |
| 2013 | Kleinstadtbahnhof | Oberursel (Taunus) | Hessen |
| 2013 | Sonderpreis Tourismus | Murnau | Bayern |
| 2012 | Großstadtbahnhof | Bremen Hbf | Bremen |
| 2012 | Kleinstadtbahnhof | Aschaffenburg Hbf | Bayern |
| 2012 | Sonderpreis Tourismus | Bad Schandau | Sachsen |
| 2011 | Großstadtbahnhof | Leipzig Hbf | Sachsen |
| 2011 | Kleinstadtbahnhof | Halberstadt | Sachsen-Anhalt |
| 2010 | Großstadtbahnhof | Darmstadt Hbf | Hessen |
| 2010 | Kleinstadtbahnhof | Baden-Baden | Baden-Württemberg |
| 2009 | Großstadtbahnhof | Erfurt Hbf | Thüringen |
| 2009 | Kleinstadtbahnhof | Uelzen | Niedersachsen |
| 2008 | Großstadtbahnhof | Karlsruhe Hbf | Baden-Württemberg |
| 2008 | Kleinstadtbahnhof | Schwerin Hbf | Mecklenburg-Vorpommern |
| 2007 | Großstadtbahnhof | Berlin Hbf | Berlin |
| 2007 | Kleinstadtbahnhof | Landsberg (Lech) | Bayern |
| 2006 | Großstadtbahnhof | Hamburg Dammtor | Hamburg |
| 2006 | Kleinstadtbahnhof | Oberstdorf | Bayern |
| 2005 | Großstadtbahnhof | Mannheim Hbf | Baden-Württemberg |
| 2005 | Kleinstadtbahnhof | Weimar | Thüringen |
| 2004 | Großstadtbahnhof | Hannover Hbf | Niedersachsen |
| 2004 | Kleinstadtbahnhof | Lübben (Spreewald) | Brandenburg |
Stand: 15. Oktober 2026. Die Kategorien entsprechen der jeweiligen historischen Auszeichnung. 2015 wurde ein gemeinsamer Tourismuspreis für die Talstation Obstfelderschmiede und die Bergstation Lichtenhain vergeben. Der 2009 zusätzlich verliehene „Sonderpreis Gesamtbild“ für das gesamte Stationsnetz der Usedomer Bäderbahn ist nicht als einzelner Bahnhof in der Tabelle enthalten.
Die Gewinner der vergangenen Jahre im Porträt
2025: Magdeburg Hauptbahnhof
Der Magdeburger Hauptbahnhof in Sachsen-Anhalt wurde 2025 als besonders kundenfreundlicher Bahnhof ausgezeichnet. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten überzeugte die Jury vor allem die gelungene Modernisierung des traditionsreichen Verkehrsknotenpunkts und die deutlich verbesserte Verbindung zu anderen Verkehrsmitteln.
Ein wichtiger Bestandteil der Umgestaltung ist der Kölner Platz, der mit Sitzgelegenheiten, Grünflächen und einem neuen Fahrradparkhaus mit rund 250 Stellplätzen aufgewertet wurde. Auch die Straßenbahnanbindung, zusätzliche Zugänge sowie die verbesserte Barrierefreiheit fanden Anerkennung.
Im Inneren bietet der Hauptbahnhof verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, einen modernisierten Wartebereich mit USB-Anschlüssen und sogar eine kleine Spielecke für Kinder. Besonders wichtig war der Jury, dass die umfassenden Baumaßnahmen den Bahnhof nicht nur optisch verändert, sondern auch seine Alltagstauglichkeit spürbar verbessert haben.
2024: Bautzen und Sörup
Mit Bautzen in Sachsen ging die Hauptauszeichnung 2024 an einen Bahnhof, der beispielhaft für die erfolgreiche Wiederbelebung historischer Empfangsgebäude steht. Nachdem das Bahnhofsgebäude zwischenzeitlich wegen seines schlechten Zustands geschlossen werden musste, wurde es aufwendig restauriert und mit neuen Nutzungsmöglichkeiten versehen.
Heute befinden sich dort neben bahntypischen Einrichtungen auch Verwaltungsstellen, ein Café und weitere Dienstleistungsangebote. Die Verbindung aus historischem Gebäude, moderner Ausstattung und öffentlicher Nutzung überzeugte die Jury.
Einen Sonderpreis erhielt der kleine Bahnhof Sörup in Schleswig-Holstein. Die Gemeinde hatte das Bahnhofsgebäude und sein Umfeld umfangreich aufgewertet. Ein Warteraum, eine Toilette, WLAN, Gastronomie und kurze Wege zum Bus machen die Station zu einem positiven Beispiel für Bahnhöfe im ländlichen Raum.
2023: Halle (Saale) und Nordhorn
Im Jahr 2023 wurden gleich zwei Bahnhöfe ausgezeichnet. Der Hauptbahnhof Halle (Saale) überzeugte als großer Verkehrsknoten mit seinem historischen Erscheinungsbild, zahlreichen Serviceangeboten und hoher Aufenthaltsqualität.
Ein besonders interessantes Beispiel ist Nordhorn in Niedersachsen. Die Stadt erhielt 2019 nach jahrzehntelanger Unterbrechung wieder Anschluss an den regulären Schienenpersonennahverkehr. Der grundlegend erneuerte Bahnhof zeigt, dass die Reaktivierung einer Bahnstrecke auch einen modernen und komfortablen Bahnhof hervorbringen kann.
Trotz seiner überschaubaren Größe bietet Nordhorn unter anderem einen Fahrkartenschalter, ein gastronomisches Angebot, Gepäckschließfächer und kostenlose Toiletten. Die Jury lobte insbesondere die individuelle Gestaltung und den umfangreichen Service.
2022: Coburg
2022 ging die Auszeichnung nach Oberfranken. Der Bahnhof Coburg überzeugte mit einer Kombination aus historischem Ambiente, moderner Gestaltung und zeitgemäßer Ausstattung.
Besonders die Empfangshalle mit ihrer historischen Architektur und den erneuerten Aufenthaltsbereichen wurde positiv bewertet. Der Bahnhof zeigt, wie sich der Charakter eines traditionsreichen Gebäudes bewahren lässt, während gleichzeitig die Bedürfnisse moderner Bahnreisender berücksichtigt werden.
Coburg war bereits der siebte bayerische Bahnhof, der den Titel erhielt.
2021: Cottbus und Kühlungsborn West
Der Hauptbahnhof Cottbus in Brandenburg erhielt 2021 den Titel für seine gelungene Entwicklung zu einem modernen Verkehrsknoten. Im Mittelpunkt standen die umfassende Modernisierung, bessere Umsteigemöglichkeiten und die Vernetzung des Schienenverkehrs mit dem regionalen Nahverkehr.
Einen touristischen Sonderpreis bekam der Bahnhof Ostseebad Kühlungsborn West in Mecklenburg-Vorpommern. Er ist der westliche Endpunkt der traditionsreichen Schmalspurbahn Molli.
Die historische Bahnhofsanlage, das Eisenbahnmuseum und die dampfbetriebenen Züge machen Kühlungsborn West zu einem beliebten Ziel für Eisenbahnfans. Für die Jury war besonders überzeugend, wie hier der tägliche Bahnbetrieb mit dem Erlebnis historischer Eisenbahntechnik verbunden wird.
Historische Gewinner: Besondere Bahnhöfe seit 2004
Zu den bekanntesten Preisträgern gehört der Berlin Hauptbahnhof, der 2007 ausgezeichnet wurde. Der 2006 eröffnete Bahnhof steht mit seiner mehrgeschossigen Gleisanlage, der modernen Glasarchitektur und seinen Verbindungen in unterschiedliche Himmelsrichtungen für eine neue Generation großer Verkehrsstationen.
Einen völlig anderen Charakter besitzt der Bahnhof Uelzen in Niedersachsen, der 2009 in der Kategorie Kleinstadtbahnhof gewann. Der sogenannte Hundertwasser-Bahnhof ist für seine farbenfrohe und ungewöhnliche Architektur bekannt. Er wurde nach Ideen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgestaltet und gehört zu den auffälligsten Bahnhofsgebäuden Deutschlands.
Auch der Leipziger Hauptbahnhof zählt zu den besonderen Gewinnern. Er erhielt 2011 den Titel als bester Großstadtbahnhof. Mit seiner imposanten historischen Architektur und den weitläufigen Bahnhofshallen zählt er zu den eindrucksvollsten Kopfbahnhöfen Europas.
2012 wurde erstmals ein Sonderpreis Tourismus vergeben. Er ging an den Nationalparkbahnhof Bad Schandau in Sachsen, der als Ausgangspunkt für Reisen in die Sächsische Schweiz eine wichtige Rolle spielt.
Zu den ungewöhnlichsten Preisträgern gehört außerdem die Oberweißbacher Bergbahn in Thüringen. Ihre Talstation Obstfelderschmiede und die Bergstation Lichtenhain wurden 2015 gemeinsam als Tourismusbahnhof des Jahres ausgezeichnet. Damit würdigte die Jury eine besondere Verbindung aus historischem Bahnverkehr und touristischem Erlebnis.
Weitere Beispiele sind der Bahnhof Bayerisch Eisenstein, der 2017 als Tourismusbahnhof gewann, sowie die Bahnhöfe Eppstein und Winterberg, die 2018 ausgezeichnet wurden. Sie zeigen, dass eine besondere Lage, ein historisches Umfeld und die gelungene Integration in eine Stadt oder Urlaubsregion wichtige Stärken eines Bahnhofs sein können.
Bereits bei der ersten Preisverleihung 2004 standen zwei unterschiedliche Bahnhofstypen im Mittelpunkt: Hannover Hauptbahnhof als bedeutendes Fernverkehrsdrehkreuz und Lübben im Spreewald als kleinerer Bahnhof mit regionaler und touristischer Bedeutung. Dieser Ansatz prägt die Auszeichnung bis heute.
Wer wählt den Bahnhof des Jahres?
Die Wahl zum Bahnhof des Jahres wird vom gemeinnützigen Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene organisiert. Der Verband engagiert sich für eine Stärkung des Schienenverkehrs in Deutschland und möchte mit der jährlichen Auszeichnung besonders gelungene Bahnhofsprojekte öffentlich sichtbar machen.
Die Entscheidung trifft eine unabhängige Fachjury, die sich aus Vertretern von Fahrgast-, Verkehrs- und Tourismusorganisationen zusammensetzt. 2026 gehörten ihr neun Personen an. Vertreten sind unter anderem der Fahrgastverband Pro Bahn, der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV), der Auto Club Europa (ACE), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Deutsche Tourismusverband und die Kooperation Fahrtziel Natur. Hinzu kommen zwei Vertreter der Allianz pro Schiene.
Diese Zusammensetzung soll gewährleisten, dass ein Bahnhof aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Während Fahrgastverbände besonders auf Kundeninformation und Service achten, stehen für Fahrrad- und Verkehrsverbände die Anschlussmöglichkeiten im Mittelpunkt. Tourismusexperten beurteilen zudem, wie gut ein Bahnhof als Ausgangspunkt für Reisen und Ausflüge funktioniert.
Wie läuft die Wahl zum Bahnhof des Jahres ab?
Die Auswahl erfolgt nicht durch eine einfache öffentliche Online-Abstimmung. Stattdessen können Bahnhöfe vorgeschlagen werden, die anschließend von der Jury geprüft werden. Dabei berücksichtigt das Gremium auch Erkenntnisse aus der Marktforschung und Erfahrungen von Reisenden.
Ein wesentlicher Bestandteil der Wahl sind unangemeldete Besuche vor Ort. Die Experten untersuchen die Bahnhöfe anhand einer festgelegten Checkliste und bewerten, wie kundenfreundlich sie tatsächlich sind. Dadurch sollen nicht nur die Angaben der Betreiber, sondern vor allem die Erfahrungen aus Sicht der Fahrgäste in die Entscheidung einfließen.
Die Bekanntgabe der Sieger erfolgt üblicherweise im weiteren Jahresverlauf. Der Gewinner darf anschließend den Titel Bahnhof des Jahres tragen. Häufig wird die Auszeichnung durch eine entsprechende Siegertafel am Bahnhofsgebäude sichtbar gemacht.
Nach welchen Kriterien werden die Bahnhöfe bewertet?
Ein Bahnhof muss mehrere Anforderungen erfüllen, um die Auszeichnung zu erhalten. Das betrifft nicht nur das eigentliche Empfangsgebäude, sondern die gesamte Reisekette von der Ankunft am Bahnhof bis zum Einstieg in den Zug.
Fahrgastinformation und Orientierung: Fahrgäste müssen schnell erkennen können, wann und wo ihre Züge abfahren, welche Anschlussmöglichkeiten bestehen und wie sie wichtige Einrichtungen erreichen. Dazu gehören Fahrplaninformationen, verständliche Wegweiser und Hinweise auf andere Verkehrsmittel.
Sauberkeit und Aufenthaltsqualität: Gepflegte Bahnsteige, saubere Wartebereiche, funktionierende Toiletten und ausreichend Sitzgelegenheiten verbessern den Komfort. Auch die Beleuchtung und das subjektive Sicherheitsgefühl spielen eine wichtige Rolle.
Barrierefreiheit: Aufzüge, Rampen, taktile Leitsysteme und möglichst stufenfreie Zugänge sind entscheidend, damit Menschen mit unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen den Bahnhof selbstständig nutzen können.
Anschlussmobilität: Ein ausgezeichneter Bahnhof sollte möglichst gut mit Bus, Straßenbahn, Fahrrad, Auto und anderen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Kurze und übersichtliche Umsteigewege sind dabei besonders wichtig.
Service und zusätzliche Angebote: Fahrkartenverkauf, persönliche Beratung, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und Gepäckaufbewahrung können die Bewertung positiv beeinflussen. Dabei werden auch die Größe und die örtlichen Anforderungen eines Bahnhofs berücksichtigt.
Gestaltung und Atmosphäre: Ein Bahnhof soll nicht nur funktionieren, sondern auch ein angenehmer Aufenthaltsort sein. Historische Architektur, regionale Gestaltungselemente, Begrünung oder innovative Nutzungskonzepte können entscheidende Pluspunkte darstellen.
Die Wahl zeigt damit, dass ein guter Bahnhof weit mehr leisten muss als die Bereitstellung von Gleisen und Bahnsteigen.
Welches Bundesland hat die meisten Bahnhöfe des Jahres?
Bayern führt die Liste der ausgezeichneten Bahnhöfe an. Mit dem Erfolg des Bahnhofs Ansbach im Jahr 2026 kommt der Freistaat auf insgesamt acht Auszeichnungen seit Beginn des Wettbewerbs.
Zu den bayerischen Gewinnern gehören neben Ansbach auch Oberstdorf, Landsberg am Lech, Aschaffenburg, Murnau, Bayerisch Eisenstein, Altötting und Coburg. Darunter befinden sich bedeutende Verkehrsknoten, historische Bahnhofsgebäude und touristisch geprägte Stationen.
Auch Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind mehrfach vertreten. Besonders auffällig ist Sachsen-Anhalt: Mit Magdeburg Hauptbahnhof 2025 und Halle (Saale) Hauptbahnhof 2023 gingen innerhalb von drei Jahren gleich zwei Auszeichnungen in das Bundesland. Bereits zuvor hatten Halberstadt und Lutherstadt Wittenberg gewonnen.
Die Verteilung der Gewinner zeigt, dass besonders kundenfreundliche Bahnhöfe in ganz unterschiedlichen Regionen Deutschlands zu finden sind. Entscheidend sind weniger die Größe oder die Lage als vielmehr ein überzeugendes Gesamtkonzept.
Warum ist die Auszeichnung für Städte und Bahnreisende wichtig?
Ein Bahnhof prägt häufig den ersten Eindruck, den Besucher von einer Stadt gewinnen. Ein gepflegtes Empfangsgebäude, übersichtliche Bahnsteige und eine gute Anbindung an die Innenstadt können die Attraktivität eines Reiseziels deutlich erhöhen.
Gerade für kleinere Städte kann die Auszeichnung Bahnhof des Jahres deshalb eine besondere Bedeutung haben. Sie würdigt Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und macht gelungene Modernisierungen überregional bekannt.
Die Gewinner der vergangenen Jahre zeigen außerdem, dass sich bestehende Bahnhofsgebäude sinnvoll weiterentwickeln lassen. Bautzen steht beispielsweise für die Verbindung von Bahnbetrieb und öffentlicher Verwaltung, Nordhorn für die Wiederbelebung eines Bahnstandorts und Kühlungsborn West für die touristische Nutzung historischer Eisenbahntechnik.
Zugleich setzt der Wettbewerb Maßstäbe für künftige Sanierungen. Andere Städte, Kommunen und Bahnhofsbetreiber können sich an den ausgezeichneten Projekten orientieren und erfolgreiche Lösungen übernehmen.
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen Bahnhof und Bahnbetrieb: Die Auszeichnung bezieht sich vor allem auf die Kundenfreundlichkeit und Qualität der Station. Sie bedeutet nicht automatisch, dass die dort verkehrenden Züge besonders pünktlich sind oder die Strecken frei von Störungen bleiben.
Fazit: Deutschlands beste Bahnhöfe als Vorbilder
Der Wettbewerb Bahnhof des Jahres macht deutlich, wie unterschiedlich ein guter Bahnhof aussehen kann. Während große Hauptbahnhöfe vor allem durch leistungsfähige Infrastruktur und zahlreiche Serviceangebote überzeugen, punkten kleinere Stationen häufig mit kurzen Wegen, persönlicher Atmosphäre und innovativen Ideen.
Der Gewinner Ansbach 2026 steht exemplarisch für diese Entwicklung. Durch Modernisierung, Barrierefreiheit, ansprechende Gestaltung und eine gute Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln ist aus einem funktionalen Verkehrsknoten ein deutlich attraktiverer Aufenthaltsort geworden.
Die Siegerliste seit 2004 bietet damit nicht nur einen Überblick über die kundenfreundlichsten Bahnhöfe Deutschlands, sondern auch zahlreiche Anregungen dafür, wie sich Bahnhöfe künftig gestalten und verbessern lassen.
FAQ zum Bahnhof des Jahres
Welcher Bahnhof ist Bahnhof des Jahres 2026?
Der Bahnhof Ansbach in Mittelfranken wurde am 15. Oktober 2026 zum Bahnhof des Jahres gekürt. Die Jury der Allianz pro Schiene überzeugten insbesondere die moderne Gestaltung, die Aufenthaltsqualität und die gute Anbindung an andere Verkehrsmittel.
Wer vergibt die Auszeichnung Bahnhof des Jahres?
Die Auszeichnung wird seit 2004 von der Allianz pro Schiene vergeben. Eine Fachjury mit Vertretern verschiedener Fahrgast-, Verkehrs- und Tourismusorganisationen entscheidet über die Gewinner.
Wie viele Bahnhöfe wurden bisher ausgezeichnet?
Von 2004 bis einschließlich 2026 wurden 45 stationsbezogene Auszeichnungen vergeben. In manchen Jahren gab es mehrere Gewinner oder zusätzliche Sonderpreise für touristisch interessante Bahnhöfe.
Welcher Bahnhof wurde 2025 ausgezeichnet?
Der Magdeburger Hauptbahnhof gewann 2025 die Auszeichnung. Besonders gelobt wurden seine Modernisierung, die verbesserte Aufenthaltsqualität und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Können auch kleine Bahnhöfe gewinnen?
Ja. Kleine Regionalbahnhöfe haben bei der Wahl grundsätzlich ebenfalls Chancen. In der Vergangenheit wurden beispielsweise Sörup, Rottenbach, Lübben und Steinheim ausgezeichnet. Entscheidend sind die Kundenfreundlichkeit und die Qualität des gesamten Bahnhofs.
Kann man einen Bahnhof für die Auszeichnung vorschlagen?
Ja. Die Allianz pro Schiene bietet die Möglichkeit, geeignete Bahnhöfe für den Wettbewerb vorzuschlagen. Die eigentliche Auswahl erfolgt anschließend durch die Jury. Informationen zur Einreichung von Vorschlägen gibt es auf der offiziellen Webseite des Wettbewerbs.
